Richtig lüften will gelernt sein. Damit man sich wohlfühlt, keine Kopfschmerzen bekommt oder sich besser konzentrieren kann, möchte man gerne frische Luft in der Wohnung oder am Arbeitsplatz haben. Trotzdem soll es nicht zu kalt werden. Deswegen entscheiden sich viele für das klassische „Fenster auf Kipp“. Was den Energieverbrauch betrifft, ist das aber definitiv die falsche Entscheidung. Hier erfahrt ihr, warum.

Gründe für das Lüften

Das Interesse am Thema Energiesparen ist heute mit Sicherheit größer als noch vor einigen Jahren. Trotzdem wird durch falsches Lüften noch immer viel Heizenergie verschwendet. Generell hat das Lüften von Wohn- und Arbeitsräumen drei Ziele:

  • Verbesserung der Luftqualität
  • Abführen von Feuchtigkeit
  • Regulierung der Temperatur

In geschlossenen Räumen verschlechtert sich die Luftqualität kontinuierlich. Das liegt in erster Linie daran, dass die Luft beim Ausatmen „verbraucht“ wird. Doch auch durch so genannte „flüchtige organische Verbindungen“ aus Reinigungsmitteln, Textilien, Druckern, Tabakrauch etc. wird die Luft mit Stoffen wie CO2, dem radioaktiven Edelgas Radon, Keimen oder Feinstaub angefüllt. Diese unangenehmen oder sogar schädlichen Stoffe sollen durch das Lüften aus dem Raum entfernt werden.
Die Reduzierung von Feuchtigkeit ist wichtig, da eine zu hohe Luftfeuchtigkeit das Wachstum von Hausstaubmilben und Schimmelsporen begünstigt, wodurch Allergien hervorgerufen werden können. hohe Luftfeuchtigkeit tritt vor allem im Bad oder in der Küche auf, da hier am meisten Wasser verwendet wird. Doch auch der Mensch gibt durch Transpiration am Tag ungefähr 1,5 Liter Feuchtigkeit an seine Umgebung ab. Der Mensch kann nur sehr begrenzt wahrnehmen, ob die Luftqualität und die Luftfeuchtigkeit in einem Raum gut sind, weshalb das richtige Lüften häufig zu kurz kommt.
Was die Temperatur betrifft, verlassen sich die meisten auf ihr eigenes Empfinden. Fühlt es sich zu warm an, wird oft intuitiv das Fenster aufgerissen.
Zusätzlich zu Luftqualität, Luftfeuchtigkeit und Temperaturregulierung gibt es auch noch einen rechtlichen Grund fürs richtige Lüften: Handelt es sich bei der betreffenden Wohn- oder Arbeitsraum um ein Mietobjekt, ist man verpflichtet für eine angemessene Lüftung zu sorgen, um Schäden an dem Räumlichkeiten zu verhindern.

Anleitung zum richtigen Lüften

Oberste Regel beim Lüften ist: Nicht Dauerlüften, sondern Stoßlüften!

Wer die Fenster dauerhaft offen lässt, lüftet mehr als nötig und verschwendet – gerade, wenn es draußen heiß ist – unnötig Energie. Durch das dauerhafte Kippen der Fenster sollte möglichst gar nicht gelüftet werden, denn gekippte Fenster sorgen kaum für Luftaustausch. Stattdessen wird ein Großteil der aufsteigenden warmen Luft aus dem Heizkörper ungenutzt nach draußen geführt. Zudem kühlen bei einer Dauerlüftung die Wände in Fensternähe aus, sodass dort Feuchtigkeit kondensieren kann und es zu Schimmelbildung kommen kann.

Stattdessen sollte man lieber stoßweise lüften. Dabei ist es wichtig, die Fenster komplett aufzumachen, die Heizung herunterzudrehen und angemessen lange zu lüften. Die richtige Lüftungsdauer hängt sowohl von der Temperatur als auch von der Luftfeuchtigkeit ab, ist also je nach Jahreszeit beziehungsweise Witterungsbedingungen unterschiedlich:

  • Dezember bis Februar: 5 Minuten
  • März und November: 10 Minuten
  • April und September: 15 Minuten
  • Mai und Oktober: 20 Minuten
  • Juni bis August: 30 Minuten

Die empfohlene Häufigkeit beim Lüften bleibt immer dieselbe: Befinden sich Personen im Raum, sollte mindestens viermal täglich gelüftet werden. Wenn sich viele Menschen in einem Raum befinden oder die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist, weil man zum Beispiel geduscht oder gekocht hat, sollte entsprechend häufiger und länger gelüftet werden. Auch wenn energetische Modernisierungsmaßnahmen wie Dämmungen oder ein Fensteraustausch durchgeführt wurden, muss länger gelüftet werden, da es keine undichten Stellen mehr gibt, über die ein Luftaustausch erfolgen kann. Das ist aber auch gut so, da durch dieses unkontrollierte Lüften Energie verschwendet die Schimmelgefahr erhöht und die Behaglichkeit der Räume gesenkt wird.

Lüften bei Hitze

Hier kommt es auf die richtige Tageszeit an. Wer im Hochsommer richtig lüftet, kann sich die teure Klimaanlage sparen. Am besten am frühen Morgen zu lüften, da die Außentemperatur zu diesem Zeitpunkt am niedrigsten ist. Alternativ kann auch am späten Abend gelüftet werden. Damit die heiße Luft von außen nicht in die Wohnräume gelangt, sollten spätestens ab 11 Uhr alle Fenster nur noch zum kurzen Stoßlüften geöffnet werden.